Wohlfahrtspluralismus (Welfare Mix)

Wie lassen sich der demografische Wandel, Veränderungen in den Familienstrukturen, die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen und von älteren Menschen sozialpolitisch verarbeiten? Nur mit Mitteln des Marktes und nur mit Blick auf weitere Sozialleistungen des Staates lässt sich Wohlfahrt in realistischer Weise nicht sichern. Seit einigen Jahren steht in der Sozialpolitikwissenschaft der Wohlfahrtspluralismus für eine sektorenübergreifende bzw. sozialpolitische Gestaltung im Kleinen wie im Großen. Der in der Alltagssprache nicht sehr gebräuchliche Begriffe des Welfare-Mixes steht für vielfältige Realitäten gemischter Wohlfahrtsproduktion: für das Zusammenwirken von Familien, Nachbarschaften, marktgängigen Dienstleistungen, bürgerschaftlichen Engagements und staatlichen Institutionen. Wohlfahrt, von dieser Annahme ist auszugehen, ist das Ergebnis des Zusammenwirkens unterschiedlicher Systeme, das sich sowohl auf der individuellen als auch auf der lokalen Ebene immer wieder neu mischt.

Dazu zwei Beispiele: In der Kinderbetreuung wird die Betreuungstätigkeit von Mutter und/ oder Vater ergänzt durch die Unterstützung der Großeltern und Nachbar/innen (informeller Sektor). Zudem werden öffentliche Zuschüsse (Staat) und die Kita einer Kirchengemeinde (Dritter Sektor) genutzt sowie die Dienstleistung eines/r Babysitters/in in Anspruch genommen (Markt).

Für das zze bedeutet dies zweierlei: In analytischer Hinsicht ist die besondere Form der Kombination staatlicher und marktförmiger Leistungen, der Einbindung in primäre Netzwerke und Angebote der freien Wohlfahrtspflege mit Blick auf das Wohlergehen eines oder mehrerer Menschen zu untersuchen. In strategischer Hinsicht ist hingegen die Frage zu beantworten, wie die gezielte Fortentwicklung im Sinne der Hebung des Wohlergehens möglich ist.

Auch in einer modernen Architektur des Sozialstaats bedarf die pluralistische Wohlfahrtsproduktion der Förderung, Stabilisierung und Begleitung, sofern nie alle notwendigen Unterstützungsleistungen staatlich finanziert werden können – von der Kinder- und Jugendarbeit über die Gesundheitsversorgung, ökologische Projekte bis zu lebendigen Kulturszenen.

Für das zze bildet selbstredend die Rolle des freiwilligen bzw. bürgerschaftlichen Engagements im Welfare Mix einen zentralen Ansatzpunkt für Forschung und Beratung. Die qualitative Netzwerkanalyse bildet dabei das bevorzugte Instrument zur Analyse der synergetischen Kopplung verschiedener Gestaltungs- und Bewältigungsformen.

Ansprechpartner

Prof. Dr.  Thomas Klie

 

Prof. Dr. Thomas Klie

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